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Wie wird ein Studienplatz vergeben?

Abitur erfolgreich bestanden und jetzt? Für viele steht nun ein Studium an. Die Anzahl freier Studienplätze und Bewerberzahlen stimmen jedoch selten überein. Beliebte Studiengänge wie Medizin oder Psychologie verzeichnen einen hohen Andrang und unterliegen einer Zulassungsbeschränkung. Die Zulassungbeschränkung wird auch  als “Numerus Clausus” bezeichnet. Unbegründete Ablehnungen bedeuten aber zugleich Eingriffe in die Menschenrechte: Das Gleichbehandlungsgebot, das Recht auf Bildung und die Erwerbsfreiheit sind betroffen. Darum sind solche Entscheidungen oft angreifbar und es ist möglich, seine Zulassung für den Traumstudiengang einzuklagen.

Studienplatzklagen betreffen die Frage, ob Abweisungen im jeweiligen Fall zu Recht erfolgten, also ob sie im Sinne des Gemeinwohls gerechtfertigt waren. Das richtet sich nach den tatsächlichen Kapazitäten der Universitäten und Hochschulen. Jede Universität muss jährlich eine Berechnung durchführen. Diese wird in solchen Gerichtsverfahren kontrolliert. Die Zulassungsvoraussetzungen müssen erfüllt sein und die Abweisung darf nicht erfolgt sein, weil Du den Zulassungsantrag oder Deine Bewerbung zu spät, unrichtig oder unvollständig übermittelt hast. Es geht hier nur um Abweisungen aufgrund des Fehlens freier Plätze. Nur dann ist eine Studienplatzklage auch sinnvoll.

Was sollte ich vor der Anmeldung wissen?

Räumliche und personelle Kapazitäten der Universitäten und anderen Lehranstalten sind begrenzt. Diese sollten jedoch vollkommen ausgeschöpft werden. Sparzwänge sind geeignet, die Studierendenanzahl weiter zu minimieren, denn jeder einzelne Studierende kostet der Universität/Hochschule Geld: Ob genau Dein Studienplatz innerhalb der gesetzeskonformen Grenze liegt oder nicht, wird Gegenstand Deiner Studienplatzklage. Im Verfahren muss der Universitätsbetrieb unter anderem seine aktuellen Studenten-Zahlen offenlegen. Bei Studienplatzklagen können freie Plätze aufgedeckt werden - wie viele das sind, weiß man erst nachher. Da es meistens mehr Kläger als Plätze sind, entscheidet dann das Los.

In den einzelnen Bundesländern, Hochschulbetrieben und Studienfächern bestehen gravierende Unterschiede, die sich immer ändern können. Für eine Einschätzung der Erfolgsaussicht Deiner Studienplatzklage solltest du dich bestenfalls von einem Anwalt beraten lassen. Außerdem solltest Du selber aktiv recherchieren. Zumal mitunter aktuelle Statistiken und Rankings wichtig sind, ist das nicht einfach. Bei der Auswahl Deiner Wunsch-Universität  sollten diese Umstände bereits berücksichtigt werden. Ein Recht auf eine bestimmte Auswahl besteht grundsätzlich nicht.

Sollte die Wahl meines Studiums nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage erfolgen?

“Das Angebot richtet sich nach der Nachfrage" ist hier leider nicht richtig. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall: Je mehr Studenten einen Platz wollen, desto geringer sind ihre Chancen. Vor allem die Studienplatzklage für Medizin ist heute keine Ausnahme mehr. Ob bei Human-, Tier- oder Zahnmedizin: Dort dringen statistisch betrachtet oft nur 3 Prozent der Bewerber durch. Wahrscheinlich landest Du auf einer Warteliste. Bei Psychologie ist es ähnlich: Klagst Du aber an sieben bis zehn Universitäten, liegen die Erfolgsaussichten ganz gut. Klinische Fachsemester sind etwas einfacher zu ergattern als Studienplätze in der Zahnmedizin. Solche Detailfragen solltest Du miteinbeziehen. Aber von Deinem Berufswunsch abzuweichen ist nicht nötig. Vor allem Medizin und Psychologie sind besonders begehrte Studienplätze, bei anderen Studiengängen stehen Deine Chancen höher. Unmöglich ist die Zulassungsklage für Medizin und Psychologie jedoch nicht.

Bei BWL ist das Verhältnis zwischen Plätzen und Bewerbern besser. Nur zwei bis drei Universitäten/Hochschulen musst Du ins Visier nehmen und sogar die Chancen für Deine 1. Wahl stehen nicht schlecht. Mit Pädagogik/Soziale Arbeit ist es noch einfacher.

Der Unterschied zwischen Universitäten und Hochschulen soll den individuellen Ansprüchen der Studierenden Rechnung tragen. Mehr Praxis, kleinere Lerneinheiten und eine andere Didaktik werden in Hochschulen geboten.

Wie funktioniert die Studienplatzklage?

Im Falle eines „Numerus Clausus“ bei Deiner Studienwahl stellst Du gleich einen sogenannten Kapazitätsantrag. Andernfalls reichst Du eine Bewerbung ein. Auf eine Ablehnung folgt auch hier Dein Kapazitätsantrag. Nach Erhalt von Ablehnungsbescheiden sind Anträge auf Einstweilige Anordnung und gegebenenfalls Widerspruch und/oder Einleitung des Hauptsacheverfahrens zu stellen. Zuständig sind die Verwaltungsgerichte. In den meisten Bundesländern musst Du strenge Fristen beachten. Die Kosten sind ebenfalls unterschiedlich: Möchtest Du in der beliebten Studentenstadt Jena Dein Studium einklagen, musst Du mit 5000 Euro an Aufwand rechnen. Günstiger kommst Du mit maximal 1500 Euro in Hamburg weg - dort werden meistens mehr als 1000 Klagen eingereicht, manchmal sogar das Doppelte.

Nicht nur die Entscheidung zum Traumstudium soll bewusst getroffen werden, auch an welchen Universitäten oder Hochschulen Du Dich bewirbst und die Reihung Deiner Auswahl sollen von Anfang an gut durchdacht sein. Darauf basiert die Strategie zu Deinen Anmeldungen und Deiner möglichen Studienplatzklage, die eigentlich ein ganzes Bündel an Anträgen darstellt. Die Fristen an Deinen Wunsch-Universitäten und Hochschulen - inklusive Klagefristen - sollten Dir schon lange bekannt sein und vergiss nicht: Je mehr Du ins Visier nimmst, desto höher sind Deine Chancen auf einen raschen Studienplatz, insbesondere wenn Du eine Studienplatzklage für Medizin anstrebst. Mehr als 12 beklagte Anstalten sollten es nicht sein. Immerhin gibt es Universitäten/Hochschulen mit korrekten Kapazitätsberechnungen und dort besteht auch keine Erfolgsaussicht.

Wie kann ich eine Studienplatzklage finanzieren?

Idealerweise hast Du schon damit gerechnet, Deinen Studienplatz einklagen zu müssen. Mit einer Rechtsschutzversicherung musst Du Dich nicht mit unterschiedlichen Honorarvorstellungen auseinandersetzen. Es gibt bereits viele darauf spezialisierte Rechtsanwälte. Beachte, dass Versicherungsverträge rechtzeitig abgeschlossen werden müssen. Mit drei Monaten vorher sollte es noch möglich sein, erkundige Dich aber schon früher und lies Dir die Angebote genau durch - auch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Klar ist, dass eine Studienplatzklage von den Leistungen umfasst sein muss. Heute gehen viele Studienanwärter davon aus, ihren Studienplatz einklagen zu müssen. Darauf basieren Angebote der meisten Versicherungsanstalten.

Ein Anwaltszwang besteht erst ab 2. Gerichtsinstanz. Gebühren fallen immer an. Sie variieren aufgrund des unterschiedlichen Streitwerts, den die Gerichte einem konkreten Studienplatz zugrunde legen. Hier musst Du näher recherchieren oder Dich beraten lassen.

Wenn es Dir finanziell nicht gut geht, solltest Du Dich erst recht nicht kleinkriegen lassen: Dir steht Prozesskostenhilfe zu. Sie umfasst Gebühren und bei Bedarf Deinen Rechtsbeistand. Erkundige Dich rechtzeitig, welche Unterlagen Du brauchst um Deine Situation belegen zu können. Dann brauchst Du auch keine Versicherung.

Checkliste: So solltest Du bei der Studienplatzklage vorgehen

  • Gespräche mit Anlaufstellen für Verbraucher und Studentenvertretern
  • Ausgewählte Universitäten und Hochschulen reihen
  • Jeweilige Fristen beachten - eventuell rechtzeitig eine Rechtsschutzversicherung abschließen
  • Bewerbungen oder Kapazitätsanträge einreichen
  • Prozesskostenhilfe nötig?
  • Auswahl des Rechtsbeistands oder selber Anträge beim Verwaltungsgericht stellen

Beratungsgespräche und Formvorlagen erhältst Du meistens bei Studentenvertretern und sonstigen Anlaufstellen. Je früher Du mit der Vorbereitung anfängst und je mehr Gespräche Du mit erfahrenen Personen führst, umso höher sind Deine Chancen. Lass Dich nicht verunsichern: Die Europäische Menschenrechtskonvention und andere Rechtsquellen garantieren Dir einen gleichwertigen Zugang zu Bildung - unabhängig von Deinen Finanzen.

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