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Welche Verkehrsregeln gelten für Fahrradfahrer?

Bußgeldkatalog für Radfahrer

Grundsätzlich gelten für Fahrradfahrer die gleichen Verkehrsregeln wie für Autofahrer. Auch Radfahrer sind Verkehrsteilnehmer, führen ein Fahrzeug und haben sich daher an die Straßenverkehrsordnung (StVO) zu halten. Das bedeutet aber auch, dass sie grundsätzlich die gleichen Rechte im Straßenverkehr genießen wie Autofahrer. Das gilt insbesondere für das Vorfahrtsrecht auf Hauptstraßen und an anderen Kreuzungen - es gilt also Rechts vor Links.

Es gibt allerdings, anders als bei Autofahrern, keine Geschwindigkeitsbegrenzung. Wenn ein Radfahrer seine Geschwindigkeit nicht den jeweiligen Umständen anpasst, verhält er sich jedoch ordnungswidrig.

Darf ich alkoholisiert Fahrrad fahren?

Es wird immer wieder behauptet, man dürfe lediglich beim Autofahren keinen Alkohol getrunken haben. Das stimmt so jedoch nicht ganz. Unter Alkoholeinfluss Fahrrad zu fahren ist zwar keine Ordnungswidrigkeit, die im Bußgeldkatalog festgeschrieben ist, aber es kann eine Straftat sein und damit schwere Strafen nach sich ziehen.

In § 316 Strafgesetzbuch (StGB) wird bei Alkohol am Fahrradlenker mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe gedroht. Dabei muss es nicht erst zu einem Unfall kommen. Werden jedoch auch andere Menschen - z. B. Fußgänger - oder Sachen - z. B. andere Fahrzeuge - gefährdet, drohen gemäß § 315 c StGB bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe. Doch man macht sich nicht mit jedem Schluck Sekt oder Bier strafbar. Erst ab einer BAK (Blut-Alkohol-Konzentration) von 1,6 Promille macht man sich sicher strafbar. Man spricht hier von der sogenannten absoluten Fahruntüchtigkeit. Ab einer BAK von 0,3 Promille muss es zu Ausfallerscheinungen gekommen sein, z. B. Schlangenlinien fahren, um strafbar zu sein. Man spricht hier von der sogenannten relativen Fahruntüchtigkeit.

Hat ein Radfahrer mit einem Blutalkoholgehalt von 1,6 Promille oder mehr am Straßenverkehr teilgenommen, kann eine MPU (medizinisch-psychologische Untersuchung) angeordnet werden, die feststellen soll, ob der Fahrer noch geeignet ist, am Verkehr teilzunehmen. Dies kann einen Entzug der Fahrerlaubnis durch die Behörde zur Folge haben, auch wenn man nur Fahrrad gefahren ist. Zudem kann auch ein Verbot zum Fahrradfahren ausgesprochen werden. Dies gilt auch bei einem sogenannten Ersttäter, der nicht im Besitz einer Fahrerlaubnis für Kraftfahrzeuge ist.

Es kann ebenfalls strafbar sein, nach dem Konsum von Drogen Fahrrad zu fahren. In diesen Fällen ist aus Sicht der Gerichte die Fahrtüchtigkeit immer eingeschränkt, auch wenn man sich selbst vielleicht noch wach und klar fühlt.

Hat der Autofahrer bei einem Unfall mit Radfahrern immer Schuld?

Wenn es zum Unfall zwischen einem Fahrrad- und einem Autofahrer kommt, wird oft behauptet, dass immer der Autofahrer die Schuld habe. Das ist nicht bedingungslos richtig. Autofahrer führen gegenüber dem Radfahrer das gefährlichere Fahrzeug. Ein Auto hat oft ein Gewicht von mehreren Tonnen und hat dazu einen kräftigen Motor. Der Autofahrer muss daher besonders aufpassen, dass er andere Verkehrsteilnehmer nicht verletzt.

Kommt es zu einem Unfall, wird zunächst einmal vermutet, dass der Autofahrer nicht achtsam genug war. Es kann aber das Gegenteil bewiesen werden, sodass die Schuld am Unfall auch beim Radfahrer liegen kann. Aber nur in Ausnahmefällen kann es zu einer hundertprozentigen Schuld des Radfahrers kommen - zum Beispiel dann, wenn der Fahrradfahrer gegen ein ordnungsgemäß geparktes Auto fährt.

Gemäß den gesetzlichen Vorschriften ist aber immer zuerst der Autofahrer in der Haftung. Das gilt solange, wie das Auto im Betrieb ist. Ein Auto ist auch mit ausgeschaltetem Motor und im geparkten Zustand in Betrieb, solange es sich im öffentlich zugänglichen Verkehrsraum befindet. Das ist deshalb so, da jeder Autofahrer verpflichtet ist, eine Haftpflichtversicherung für die “allgemeine Betriebsgefahr” abzuschließen. Aufgrund der Gefährlichkeit ist der Autofahrer zunächst auch für den Schaden verantwortlich. Er kann aber stets das Gegenteil beweisen. Radfahrer können den Unfall auch mitverschuldet haben.

Es wurde aber bereits von den Gerichten festgestellt, dass der Radfahrer kein Mitverschulden am Unfall hat, wenn er keinen Helm trägt und deshalb schwere Hirnverletzungen davonträgt. Der Autofahrer kann nur beweisen, dass der Radfahrer falsch gefahren ist.

Darf ich beim Fahrradfahren telefonieren?

Es ist bekannt, dass man beim Autofahren das Telefon nicht benutzen darf. Benutzt wird das Telefon übrigens bereits, wenn ein eingehender Anruf abgewiesen wird. Dies gilt nicht, wenn das Fahrrad steht. Wird beim Radfahren telefoniert oder das Telefon anderweitig benutzt - z. B. Musik einschalten - begeht man eine Ordnungswidrigkeit, die mit 25 Euro Verwarnungsgeld geahndet wird.

Wie muss mein Fahrrad ausgestattet sein, damit es verkehrssicher ist?

Um betriebs- und verkehrssicher zu sein, muss ein Fahrrad wie folgt ausgestattet sein:

  • zwei voneinander unabhängige Bremsen
  • Scheinwerfer und Rücklicht sowie vorn und hinten jeweils ein Reflektor
  • Dynamo für die Lichterzeugung oder im Falle eines Rennrads unter 11 Kg batteriebetriebenes Licht
  • Reflektoren an den Pedalen
  • Jeweils zwei Speichenreflektoren am Vorder- und Hinterrad
  • helltönende Klingel

Nur batteriebetriebene Leuchten am Fahrrad zu haben, reicht eigentlich nicht aus. Viele Behörden und Polizisten drücken aber häufig ein Auge zu, wenn das Batterielicht ausreichend ist.

Die aktuellen Bußgelder für Radfahrer

Wird eine Ordnungswidrigkeit begangen, kann es ein Bußgeld geben. Liegt das Bußgeld unter 60 Euro, spricht man von einem Verwarnungsgeld. Punkte in Flensburg gibt es immer erst ab einem Bußgeld von 60 Euro. Die Bußgelder steigen häufig, wenn besondere Umstände eintreten, die als gefährlich gelten. Deshalb werden Bußgelder oft mit “von...bis”, z. B. mit 20-60 Euro, angegeben.

Benutzt der Radfahrer einen beschilderten Radweg nicht, handelt er ordnungswidrig. Das Verwarnungsgeld liegt zwischen 20 bis 35 Euro. Eine Benutzungspflicht des Radweges gibt es aber auch nur dann, wenn der Radweg durch ein blaues Schild gekennzeichnet ist. Fehlen die Schilder, kann auch die Fahrbahn benutzt werden, ohne dass man eine Ordnungswidrigkeit begeht - mit einer Ausnahme für Kindern unter 9 Jahren.

Fehlt die Beleuchtung, ist die Beleuchtung kaputt oder wird die Beleuchtung trotz Dunkelheit nicht benutzt, droht ein Verwarnungsgeld von 20 bis 35 Euro.

Wurde die eine rote Ampel mit dem Fahrrad überfahren, droht ein Bußgeld von 60 bis 180 Euro und 1 Punkt.

Bußgeldkatalog für Radfahrer: Hier werden keine Punkte fällig

Tatbestand/VerhaltenNormales BußgeldMit Behinderung andererMit Gefährdung andererMit UnfallPunkte
Nebeneinander gefahren und dabei andere behindert-20 Euro25 Euro30 Euro-
Freihändig gefahren5 Euro----
Beförderung eines Kindes auf einem Fahrrad ohne vorgeschriebene Sicherheitsvorrichtungen5 Euro----
Beförderung einer über 7 Jahre alten Person auf einem einsitzigen Fahrrad oder im Anhänger5 Euro----
In Fußgängerzone mit zugelassenem Radverkehr Fußgänger gefährdet10 Euro20 Euro30 Euro35 Euro-
Rad gefahren, obwohl das Gehör durch Nutzung eines Geräts beeinträchtigt war10 Euro----
Befahren einer nicht freigegebenen Fußgängerzone oder eines Gehwegs mit mehr als Schrittgeschwindigkeit15 Euro----
Auf Geh- und Radweg Geschwindigkeit nicht an Fußgänger angepasst15 Euro----
Befahren eines für Fahrräder gesperrten Bereichs15 Euro20 Euro25 Euro30 Euro-
Trotz vorhandener Schutzstreifenmarkierung nicht auf der rechten Seite gefahren15 Euro20 Euro25 Euro30 Euro-
Fehler beim direkten oder indirekten Linksabbiegen15 Euro20 Euro25 Euro30 Euro-
Bremsen oder Klingel entsprechen nicht den Vorschriften, sind nicht vorhanden oder betriebsbereit15 Euro----
Nichtbenutzung des vorhandenen, beschilderten Radwegs20 Euro25 Euro30 Euro35 Euro-
Benutzung des beschilderten Radweges in nicht zugelassener Richtung20 Euro25 Euro30 Euro35 Euro-
Befahren einer Einbahnstraße in nicht vorgeschriebener Fahrtrichtung20 Euro25 Euro30 Euro35 Euro-
Beleuchtungseinrichtungen am Fahrrad nicht vorhanden oder nicht betriebsbereit20 Euro-25 Euro35 Euro-
Beleuchtung trotz Dunkelheit oder schlechter Sicht nicht benutzt oder verschmutzt/verdeckt20 Euro-25 Euro35 Euro-
Haltgebot oder andere Zeichen von Polizeibeamten nicht beachtet25 Euro----
Benutzung eines Mobiltelefons (ohne Freisprecheinrichtung)25 Euro----

Bußgeldkatalog für Radfahrer: Hier werden Punkte fällig

Tatbestand/VerhaltenNormales BußgeldMit Behinderung andererMit Gefährdung andererMit UnfallPunkte
Missachtung des Rotlichts an der Ampel60 Euro-100 Euro120 Euro1
Fahrzeug nicht vorschriftsgemäß, dadurch Verkehrssicherheit wesentlich beeinträchtigt80 Euro---1
Fußgängern am Fußgängerüberweg (Zebrastreifen) das Überqueren nicht ermöglicht80 Euro---1
Ampel war bereits länger rot und wird trotzdem überquert100 Euro-160 Euro180 Euro1
Bahnübergang trotz geschlossener (Halb-)Schranke überquert350 Euro---2

Welche Änderung gibt es seit 2017 für Fahrradfahrer?

Seit 2017 haben sich einige Vorschriften in der StVO geändert.

Kinder bis zum 8. Lebensjahr mussten bisher auf dem Gehweg fahren, auch wenn ein Radweg vorhanden war. Das hat häufig zu dem Problem geführt, dass Eltern oder andere Aufsichtspersonen eigentlich nicht neben ihnen auf dem Gehweg fahren durften. Jetzt dürfen Aufsichtspersonen ab 16 Jahren Kinder auf dem Gehweg begleiten. Die Kinder dürfen aber neuerdings auch die Radwege benutzen, wenn diese baulich von der Fahrbahn für Autos getrennt sind. Dafür muss der Radweg aber wirklich von der Fahrbahn getrennt sein - ein Radweg auf der Fahrbahn reicht nichts aus.

Fußgängerampeln regeln nicht mehr auch zeitgleich den Radverkehr. Radfahrer auf der Fahrbahn müssen sich nach der Fahrbahnampel für Autos richten, wenn keine zusätzliche Fahrradampel vorhanden ist. Radfahrer auf dem Radweg richten sich ohnehin nach der Fahrradampel, wenn es eine gibt. Wenn also keine Fahrradampel eingerichtet ist, gilt für Radfahrer die Fahrbahnampel.

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